New York

Als Fotograf in New York sehe ich die Stadt immer durch zwei Ebenen: das, was vor mir liegt, und das, was war. Als ich kürzlich meine alten New-York-Fotos wieder hervorholte, wurde mir bewusst, wie eindrücklich sie von den Spannungen dieser Stadt erzählen – und wie aktuell sie plötzlich wieder wirken.

Auf einem meiner Bilder steht eine verfallene Brücke in New Jersey, ein stummer Zeuge einer Zeit, in der ganze Viertel vom Strukturwandel zurückgelassen wurden. Im selben Blickfeld, nur ein Stück weiter über den Hudson hinweg, erhebt sich der Financial District – makellos, aufstrebend, glänzend. Und dazwischen das neue One World Trade Center, als würde es die Stadt daran erinnern, wie oft sie sich schon neu erfinden musste.

Beim Durchsehen dieser Aufnahmen kam mir auch die Geschichte derer in den Sinn, die früher über Ellis Island ankamen – Menschen, die damals mit einer fast greifbaren Hoffnung auf Freiheit, Selbstbestimmung und ein besseres Leben nach Amerika kamen. Die Freiheitsstatue, ein Geschenk der Franzosen, war ihr erstes Signal: Hier sollen Freiheitsrechte gelten, hier soll der Mensch vor Macht geschützt sein.

Doch vielleicht wirken diese Bilder gerade jetzt so stark, weil sich vieles verändert hat. Die Diskussionen darüber, welche Rechte eingeschränkt werden und welches Maß an Freiheit eine Gesellschaft sich zutraut, sind überall spürbar – in den Straßen, in den Medien, in den Gesprächen. Und so bekommen meine alten Fotos plötzlich eine neue Bedeutung: Sie zeigen nicht nur soziale Gegensätze, sondern erinnern daran, wie wertvoll jene Idee von Freiheit ist, die diese Stadt einst so stark geprägt hat.

Mit meiner Kamera halte ich fest, was bleibt, was bröckelt und was sich neu formt. Und vielleicht erzählen meine Bilder heute mehr denn je davon, dass Freiheit nie selbstverständlich ist – und dass New York zwar ein Symbol dafür wurde, aber auch ein Ort geblieben ist, an dem man genau hinschauen muss.

Japan

Auf meiner Fotoreise durch Japan erlebte ich zwei Gesichter des Landes: das traditionsreiche Kyoto und das urbane Osaka. In Kyoto führte mich mein Weg durch das Viertel Gion – ein Ort, an dem jahrhundertealte Kultur bis heute spürbar bleibt. Zwischen Laternenlicht und engen Gassen lässt sich erahnen, wie hier die ältesten aktiven Geishas ihren Alltag gestalten. Auch ohne einer von ihnen zu begegnen, wirkt das Viertel wie ein lebendiges Stück Geschichte.

Osaka zeigte mir die moderne, rauere Seite Japans. Nachts durchstreifte ich schmale Gassen, in denen Neonlicht nur punktuell die Dunkelheit durchbrach. Leise Schritte, das Klacken eines Fahrrads, der entfernte Ton eines Automaten – jedes Detail wurde Teil einer intensiven Großstadtszene.

Kyoto und Osaka stehen für zwei Pole: Tradition und Tempo, Stille und Energie. Genau dieser Kontrast hat meine fotografische Arbeit geprägt und Japan für mich unverwechselbar gemacht.

Krakau Mono

Analoge Fotos im Mittelformat / Ilford Film – Rolleiflex

Fotoreportage – Krakau, Jüdisches Viertel

Als Fotograf war ich in Kazimierz unterwegs, dem jüdischen Viertel Krakaus – ein Ort, in dem sich das Leben von heute mit den Spuren einer tiefen, oft tragischen Vergangenheit überlagert. Zwischen Synagogen, schmalen Gassen und kleinen Cafés liegt eine Atmosphäre, die sich nur langsam erschließt, wie ein Echo, das aus einer anderen Zeit zurückkehrt.

Kazimierz war über Jahrhunderte das Zentrum jüdischen Lebens, bevor die nationalsozialistische Besatzung diese Welt gewaltsam zerstörte und die Bewohner in das Ghetto von Podgórze zwang. Heute erzählen verblasste Schriftzüge, verwitterte Mauern und restaurierte Gebetsräume von dem, was einmal war – und von dem, was geblieben ist.

Während meiner Tour besuchte ich auch den alten jüdischen Friedhof, einen der eindrucksvollsten Orte des Viertels. Zwischen den schiefen Grabsteinen, dem dichten Grün und der Stille, die dort fast körperlich wirkt, stößt man auf eine Geschichte, die viele in Krakau kennen:
Die Legende von einem SS-Soldaten, der während der Besatzungszeit auf dem Friedhof vom Blitz getroffen worden sein soll.

Man erzählt sich, dass dieser unwahrscheinliche Tod von manchen als Zeichen gedeutet wurde – als eine Art „Antwort des Himmels“ auf die Gewalt jener Jahre. Ob wahr oder nicht: Diese Erzählung hat den Ort für viele zu einem Symbol gemacht, und einige Besucher betrachten den Friedhof bis heute als einen Platz, an dem Gerechtigkeit, wenn auch nur in einer Geschichte, ihren Weg gefunden hat.

Für mich als Fotograf lag in dieser Mischung aus Legende, Erinnerung und Realität eine besondere Faszination. Jede Ecke von Kazimierz trägt Spuren des Vergangenen – und gleichzeitig lebt das Viertel: junge Menschen auf den Straßen, Musik aus offenen Fenstern, Kunst in den Hinterhöfen.

Meine Bilder versuchen, diesen Kontrast einzufangen: die Stille der Geschichte und das pulsierende Heute, die zusammen Kazimierz zu einem der intensivsten Orte machen, die ich fotografiert habe.

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