
winter leaves
Screen Overload vs bedrohter Amazonas
Ausstellungen faszinieren mich immer wieder – sei es durch ihre Architektur, die gezeigten Motive oder die Biografie der Künstler. Sie eröffnen Räume des Denkens, in denen Bilder über sich hinausweisen. Besonders die Ausstellung von Sebastião Salgado im Rautenstrauch-Joest-Museum in Köln hat mich nachhaltig geprägt. Seine Fotografien des Amazonas, dieser sogenannten grünen Lunge unseres Planeten, zeigen nicht nur eine überwältigende Natur, sondern auch ein tiefes Engagement für ihren Schutz.
Salgados Arbeit macht sichtbar, was zunehmend aus dem Gleichgewicht gerät: die fragile Beziehung zwischen Mensch und Umwelt. Diese Bilder haben meine eigenen Gedanken zur Fotografie geschärft. Mit der Kamera versuche ich, Räume neu zu gestalten und festzuhalten – nicht nur als ästhetische Komposition, sondern als Spiegel innerer Bilder und äußerer Verwerfungen, die unsere Zeit prägen.
Fotografie wird für mich so zu einem Mittel der Reflexion: über Verantwortung, über Verlust und über die Frage, wie wir als Gesellschaft mit der Natur umgehen. Die Umweltveränderungen, die wir heute erleben, sind nicht abstrakt – sie hinterlassen Spuren, die sich auch in meinem fotografischen Blick einschreiben.

Kesselhaus Abstrakt
AUTOPSIE D’UN SOUFFLE
Young June Kim & Nathalie Savey Ausstellung In Extremis
Die Ausstellung „Autopsie d’un souffle“ von Nathalie Savey und Young June Kim in der Galerie In Extremis, Strasbourg, hat mich tief beeindruckt. Kim verarbeitet den Tod seines Vaters und zeigt seine Skulpturen in erdigen Brauntönen und cyanblauen Himmelsspuren, aufgenommen mit einer Großbildkamera. In stillen, analogen Momenten spürt man Vergänglichkeit und Hoffnung.
Nathalie Savey ist in der Natur ganz in ihrem Element – ihre Fotografien entstehen ohne digitale Bearbeitung, genau im perfekten Augenblick. Ihre Bilder verbinden den menschlichen Körper mit Wasser und Landschaft und spiegeln eine tiefe Harmonie wider.
Das persönliche Gespräch mit beiden Künstler*innen war für mich besonders wertvoll. Wer diese berührenden Arbeiten noch sehen möchte, sollte das letzte Ausstellungswochenende nicht verpassen:
Galerie In Extremis
27 rue Sainte-Madeleine, Strasbourg
Samstag, 29. und Sonntag, 30. November, ab 14 Uhr, Führung um 15 Uhr, Eintritt frei.
„Zwischen Schatten und Schritt“
Lesende Dame mit Hut
Die „Lesende Dame mit Hut“ habe ich in der Fondation Beyeler aufgenommen – und die Szene erinnerte mich sofort an die klassische Malerei. Künstler wie Édouard Manet, Pierre-Auguste Renoir oder auch Henri de Toulouse-Lautrec haben immer wieder Frauen mit Hut porträtiert und dabei diese besondere Mischung aus Eleganz, Innerlichkeit und zeitloser Präsenz eingefangen. Genau dieses Gefühl stellte sich ein, als ich die lesende Frau entdeckte: ein moderner Moment, der wie ein zufälliges Gemälde wirkte, getragen von Ruhe, Licht und jener stillen Würde, die man aus der Kunstgeschichte kennt.

Red Mystery Ball
„Red Mystery Ball“ ist für mich ein kleines Rätsel in Farbe. Ich habe dieses Bild bewusst so inszeniert, dass sein Ursprung verborgen bleibt – und es bereitet mir großes Vergnügen, dass bisher niemand erkannt hat, was tatsächlich dahinter steckt. Die reine Form, das Leuchten des Rot und das Geheimnisvolle des Motivs machen für mich den besonderen Reiz dieses Fotos aus.

Monochrome Relief
Ich bin von der feinen, fast skulpturalen Struktur dieses Bildes tief fasziniert. Die Linien und Lichtflächen entfalten für mich eine stille, moderne Kraft, die immer wieder neue Details preisgibt. Gerade deshalb hängt dieses Werk auch bei mir zu Hause – als tägliche Erinnerung daran, wie viel Schönheit in einer einzigen Oberfläche verborgen sein kann.

Montalivet Mansion
Der Straßenzug am Atlantik in Montalivet zeigt sich in absolut klaren, geraden Linien – eine fast grafische Ordnung, die durch die vom Sonnenlicht ausgeblichenen Farben noch verstärkt wird. In diesem Bild geht es weniger um den Ort selbst als um die Abstraktion, die aus ihm entsteht: Linien, Flächen und Töne, die sich zu einer stillen, reduzierten Komposition verbinden. Die Architektur, das Licht und die verblasste Palette formen eine Art minimalistisches Farb- und Formgedicht, das zwischen Realität und Abstraktion schwebt.




